Unschwarz

Du siehst nur schwarz,
Wo gar keine Farbe ist.

Fühlst Dich zerrissen,
beschissen.

Und wenn Dich wer fragt:
“Was is’n?”
Nur Schulterzucken.

Du brauchst Dich nicht zu ducken.

Hab keine Angst vor Morgen,
Scheiss auf Terror-Sorgen.

Grippe ist gefährlicher,
also so ‘nen IS-Möchtegern.

Scheiss auf Morgen,
darüber kannst Du Dich morgen sorgen.

Denn Dein Leben ist jetzt.
Und das ist das einzige Gesetz.

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Auf der Flucht und doch ein Fluch

Ich hab Angst und bin allein.
Allein unter vielen.
Ich wär viel lieber daheim.

Doch dort herrscht Terror und Krieg.
Krieg, ist niemands Sieg.

Die Zuflucht nach der Flucht,
ist auch nur ein Fluch.

Sie sagen ich bin Terror und Gewalt.
Diese Angst ist uralt.
Die Angst vor dem Fremden.

Soll ich so hier verenden?
Ich versteh nicht ihre Sprache oder Kultur.

Was ich will, ist Frieden nur.

Doch ein paar Einzelgänger,
sind Gewaltanhänger.

Was soll ich nur unternehmen?
Um ihnen die Angst vor mir zu nehmen?

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Ein Gedicht für Freiburg

Freiburg!
Du stehst für Freiheit,
Offenheit und Glückseligkeit!

Hier lächelt und lacht jeder so viel,
dass es mir anfangs mißfiel.

Wurde ich ausgelacht,
anstatt blöd angemacht?

Hatte ich was im Gesicht?
Ich verstand es nicht.

Noch nie war mir so viel Fröhlichkeit wiederfahr’n.
Lasst das nicht fahr’n!

Freiburg!
Du bist die Stadt der Sonne.
In Dir zu leben ist eine Wonne.

Wir beginnen nochmal von vorne.

Gewalt bekämpft man mit Zusammenhalt.
Mach wahr, was hier schon immer galt:

Hier bin ich Mensch,
Hier komm ich heim.
Wir lassen niemand allein!

Lasst uns ein leuchtendes Vorbild sein!

(Veröffentlicht in der Badischen Zeitung)

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Neulich in Meiringen

Ich war gerade in Meiringen, folgte den Fussstapfen von Sherlock Holmes – zumindest tagsüber. Jetzt abends sass ich an dem Birkenholztisch in meinem Hotelzimmer, nippte Jack Daniels aus einem Plastikbecher und tippte jene Zeilen, als es plötzlich an meine Zimmertür klopfte.
Ich zuckte zusammen, legte die Stirn in Falten und trank noch einen Schluck – nur für den Fall der Fälle. An der Tür angekommen, versuchte ich energisch zu fragen: “Wer ist da?”, was mir jedoch nur halb gelang.
Es klopfte wieder – diesmal eindringlicher – und eine gebrochen klingende, weibliche Stimme drang durch das Holz: “Bitte… Sie müssen mir helfen! Bitte… Lassen sie mich rein.”
Verdutzt öffnete ich die Tür.
Sie stand, ein blutiges Messer in der Hand, zitternd dar, auch ihre weisse Bluse war blutbefleckt nur die schwarze Krawatte schien nichts abbekommen zu haben.
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Biss zum letzten Schluck

Blut rann meine Mundwinkel hinab. Ich genoss es wie einen drei-fachen Orgasmus. Meine Pupillen wurden Stecknadel klein, dann gross wie zehn Cent Stücke und meine Ohren waren erfüllt vom Rauschen des Blutes, während mein aktuelles Opfer, irgendeine Brünette, die ich vorhin in einer Bar kennen gelernt hatte, unter mir zuckte und um ihr erbärmliches Leben jammerte und schrie.
Ihre Schreie schickten ekstatische Wellen über meine Ohren durch meinen ganzen Körper, als stünde ich unter Strom.
Jeder Schluck, jedes Saugen schickte Blitze von Energie durch meine Muskeln. Es fühlte sich an, als würden sie bis zum zerbersten anschwillen und jeder weitere Schluck ließ mich um Dekaden jünger werden.
Ich fühlte mich grossartig, betäubt, wahnsinnig kraftvoll, wie der Herrscher der Welt und berauscht zugleich.
Ein Gefühl, das nur der Genuss der Essenz des Lebens zu offenbaren mag!
Ein weiterer Schluck ihres Blutes rann warm meine Kehle hinab.
Doch dennoch war da dieser Splitter in meinem Kopf.
Immer noch.
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Nebel kennt keine Grenzen

Ich sehe es kommen.
Das Auto.
In meiner Erinnerung fährt es immer in Zeitlupe.
Quälend langsam.
Ich versuche zu schreien, sie zu warnen.
Doch es kommt kein Ton heraus. Nur hoffnungsloses Krächzen.
Es ist aus.
Alles.
Nacht für Nacht.
Immer wieder und wieder träume ich von diesem einzigen Augenblick.
Keine zehn Sekunden.
Und dennoch bestimmen sie mein ganzes Leben.
Nein.
Sie haben es zerstört!
Schreiend werfe ich im Schlaf den Kopf herum, hin und her, hin und her, hin und her.
In Gedanken taucht ihr Gesicht auf. Ihre Augen. Ihr Lächeln. Ihr Mund.
Wärme durchflutet mich, steigt in mir auf, wie ein freundliches Feuer.
Kurz bevor es geschah, drehte sie sich auf dem Fahrrad noch zu mir um.
Ich werde nie ihren Blick vergessen. Er hat sich in meine Seele gebrannt.
Wir wollten picknicken am See. Nur picknicken…
Eine Träne, eine weitere. Ich weine im Schlaf ohne es zu realisieren.
Dann kam das Auto.
Es schoss um die Ecke. Quietschende Reifen.
Ein Jugendlicher in einem geliehenen Sportwagen. Kam von der Spur ab… Seine Freundin saß neben ihm, als er meine überfuhr.
Er hatte nicht einmal Zeit zu bremsen.
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Deal in der Wüste

Diesen Teil meines Jobs hasste ich. Ich meine das Warten in der Wüste.
Mir lief der Schweiß das Gesicht herunter und auch überall sonst, sogar von meinen Eiern tropfte es. Es war so gottverdammt heiß, dass ich das Gefühl hatte mir würde gleich das Gehirn aus der Nase laufen.
Ich blickte in den Sand sonst gab es hier außer ein paar Felsen und Kakteen nur verkümmerte Sträucher und sich in der Ferne verlierende Berge zu beobachten – abgesehen von einem Skorpion, der sich langsam in den Sand ein grub. Es wirkte wie eine sehr mühselige Beschäftigung, doch er konnte wenigstens etwas tun und kam seinem Ziel mit jedem Schaufelschlag ein wenig näher.
Nicht so wie ich.
Ich konnte nur warten und hoffen.
Habe ich schon erwähnt, dass ich diesen Teil meines Jobs hasste?
Zähneknirschend spülte ich den Gedanken mit einem halben Liter Wasser aus meinem Verstand und konzentrierte mich wieder auf den Skorpion.
Seine Arbeit schien er emotionslos zu verrichten – genau wie ich.
Die Hitze ließ die Luft flimmern wie die Übertragung eines beschissenen Fernsehprogramms aus dem letzten Jahrtausend, als sie noch analog gesendet hatten ohne Full HD und man eine Antenne brauchte und Regen den Empfang stören konnte. So was gab es heutzutage nur noch in Mexiko und wer weiß vielleicht in Europa.
Das Auto, das sich auf der entfernten Interstate näherte, schien einen flackernden Feuerschweif hinter sich her zu ziehen. Ein Komet, der irgendwo einschlagen würde.
Aber es war kein Maserati und darum mir scheiß egal.
Der Skorpion verschwand mit zuckendem Schwanz im Sand und ich hätte es ihm nur zu gern gleich getan. Continue reading Deal in der Wüste

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Die roten Rächer

Rot für viele nur eine Farbe, für manch andere ein Symbol für Liebe, Leidenschaft, Lust und Mord. Und für mich? Der Sinn meines Lebens auch wenn ich dafür ziemlich oft blau sehe. Blaues, blinkendes Licht, wie es jetzt über die dunklen Kopfsteinpflaster und die antiken Häuserfronten des Marktplatzes jagt, in der Hoffnung mich aufzuscheuchen wie eine kleine, verschreckte Maus.
“Er ist hier drüben lang gelaufen!” brüllt eine bedrohlich klingende Stimme dicht neben mir und ich drücke meinen Körper noch fester an den großen Müllcontainer, um mit ihm und der Nacht zu verschmelzen. Der kreisförmige Strahl einer Taschenlampe huscht nur wenige Zentimeter an meinen Füssen vorbei. Ich kann das Leder seiner Uniform riechen, es leise knarzen hören und packe zu. Flinke Finger fesseln ihn geschwind und als seine Kollegen ihn keine zwei Minuten später finden, ist er in ein dickes, rotes Seil gewickelt.
“Mhmmpf!” knurrt er durch das rote Tuch in seinem Mund, von dem ihn ein Kollege befreit, ein anderer hebt den Bekennerbrief auf, der in seinem Schoß liegt. Schwarze Schrift auf dunkelrotem Papier, das sich in der Hand sanft anfühlt wie Samt:

“An unsere Unterdrücker und Überwacher,

wir, das Volk, wurden frei geboren und wollen nicht länger in Euren Ketten leben. Ihr lebt nur für Profitmaximierung und um Eure endlose Gier zu befriedigen und dafür zerstört Ihr unsere Welt, unsere Zukunft und unser Leben. Ihr behandelt uns wie Vieh, unmündig und dumm, und ihr denkt, dass wir uns das gefallen lassen.
Ihr irrt Euch! Wir sind viele. Für die Freiheit!”

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Der Papiertütenjunge

“Halt! Haltet den Dieb!”, der Verkäufer kam Fäuste schüttelnd aus dem Laden gerannt, “Wieso hält denn niemand diesen Bengel auf?”

Doch der Bengel war einfach zu schnell.

Ein Passant versuchte mich zu packen. Ich täuschte links an und sprang rechts an ihm vorbei. Mein Sportlehrer wäre stolz gewesen, aber der Verkäufer knallte nur seine Mütze auf den Gehsteig und fluchte: “Das ist schon das zweite Mal diese Woche!”

Ich rannte weiter, bis ich Seitenstechen bekam und selbst dann rannte ich immer noch. Erst hinter der Bibliothek fühlte ich mich sicher und ließ mich auf den Boden fallen.

Mein Herz hämmerte und mein Magen tat weh vor Hunger. Ich hatte seit zwei Tagen kaum etwas gegessen. Eigentlich hätte ich in der Schule sein müssen und danach im Waisenhaus, doch ich hatte auf beides keinen Bock. Im Waisenhaus gab es zwar Essen, aber auch Schläge und man durfte nie tun, was man wollte, wie in der Schule. Deshalb lebte ich lieber allein so gut es eben ging.

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